Nov 11 2009
Interview zum Rap Verbot
Zum Thema wurden eine 49 jährige Hausfrau/Mutter (im weiteren H/M genannt) sowie ein 17 jähriger Berufsschüler (BS) befragt.
Auf die Frage nach einem Verbot von Rap Musik (z.B. im Radio und Fernsehen) zum Schutze der Jugend stellte H/M die Relevanz von Rapmusik generell in Frage. Man sollte doch den Einfluss einer Randgruppenmusik nicht überschätzen. Es gäbe ganz andere Faktoren und schlechte Einflüsse auf Jugendliche mit denen man sich beschäftigen müsste um den Werteverfall unter Jugendlichen zu hinterfragen anstatt eine bestimmte Musikrichtung dafür in Verantwortung zu ziehen.
BS bezeichnet sich als Fan von elektronischer Musik, gelegentlich hört er aber auch Rap. Für ihn spielt der Textinhalt dabei eine untergeordnete Rolle, es ginge um das Gefühl weniger um die Interpreten. Daher sollte man den Einfluss von Rap auf Jugendliche „nicht überbewerten“.
Als eigentliches Problem der Jugendlichen nannte H/M die Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen sowie fehlende Familienstrukturen („Es kümmert sich ja keiner mehr um die Kinder“) und aussichtslose Zukunftsperspektiven. Genauso gut könne man Heavy Metal für den „desaströsen“ Zustand der Jugend verantwortlich machen, Schuldige seien immer schnell gefunden.
Gefragt nach dem Zustand der Jugend spricht BS von einer wachsenden Gewalt unter Jugendlichen, sowohl physisch als auch psychisch, dessen Ursache er in der Perspektivlosigkeit der Jugendlichen vermutet. Er sieht aber keinen Zusammenhang zwischen der Gewalt und Musik im Allgemeinen. Weiter bemängelt er das Unvermögen von „Erwachsenen“ sich in die schwierige Lage der Jugendlichen heutzutage zu versetzen. Er persönlich hätte aber keine Probleme mit seinen Eltern. Diese hätten ihn sogar bei der Berufswahl unterstützt, was aber bei seinen Freunden nicht so gewesen wäre.
H/M verbindet mit Rap bzw. HipHop die gängigen Klischees („Weite Hose, schiefe Kappen und Imponiergehabe“) und war nach weiterer Erläuterung verwundert über die ursprünglichen Werte und Intentionen der HipHop Kultur. Auf Nachfrage behauptete sie allerdings, sie könne durchaus unterscheiden zwischen stupidem Fäkal Rap á la Bushido und harmlosen Spaß Rap wie Fettes Brot ihn macht.
BS hingegen kann spontan über Ursprung und Absichten von HipHop berichten, zeigt sich aufgeschlossen und informiert. („Mein Bruder war Breakdancer, deswegen!“) Allerdings gesteht er ein, das viele in seinem Alter gar kein Interesse an Musikgeschichte hätten und daher glauben würden Rap gäbe es erst seit Sido und Aggroberlin. Über die Zeit gingen daher Werte verloren, letztendlich hätte nur die Musik überlebt.
H/M spricht sich gegen ein Verbot aus, fordert allerdings eine weitsichtigere Kontrolle der Erziehungsberechtigten bei der Auswahl von Musik und Film für ihre Kinder.
Auch BS redet von der Verantwortung der Eltern und hält ein Verbot für „totalen Unsinn“. Ein Verbot wäre immer die einfachste Lösung für die Gesellschaft und Politik um über eigenes Unvermögen hinwegzutäuschen bzw. einen Schuldigen zu finden anstatt die eigentlichen Ursachen des Problems zu finden.
Bearbeitet von Anna und Karsten


