Indizierungen im HipHop: Sollte man Rap Musik verbieten?

Die Kommission für Jugendmedienschutz (www.kjm-online.de/public/kjm/) hat vor nicht allzu langer Zeit über den Sinn eines Verbots von Rap Musik diskutiert, Soziologen und Medienpädagogen haben sich mit dem Thema auseinandergesetzt. (Unter anderem hier nachzulesen: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Jugendschutzexperten-sehen-Verbot-von-Gangster-und-Pornorap-skeptisch-218496.html ) Um die Zweckmäßigkeit zu hinterfragen, reicht ein oberflächlicher Blick auf den Einfluss von HipHop auf Jugendliche allerdings nicht aus.
HipHop heutzutage ist für Jugendliche eben genau deswegen interessant weil die Authentizität der Interpreten und die direkte Sprache mit denen sie ihren Frust verarbeiten vielen jungen Menschen aus dem Herzen spricht. Es sind nur noch selten politische aber häufig private Aussagen über Lebensumstände und persönliche Konflikte – Status Quo der Kids. Ein Weg sich in der reizüberfluteten Welt zu äußern, teilzuhaben. HipHop vereint Jugendliche über Nationalitäten hinaus. Rap ist eine Form von Kommunikation die nicht jeder „Erwachsener“ versteht oder nachvollziehen kann, eine Form von Rebellion, durch die extremen Texte eine Chance Aufmerksamkeit zu erlangen. Die Musik als Medium, der Rap als Handwerkszeug und die persönlichen Sorgen und Probleme als Antrieb zur Verständigung mit der so oft unnachgiebigen und desillusionierenden Aussenwelt.

Gangster Rap
Dabei können die Textinhalte durchaus als Spiegel der Entwicklungen innerhalb der Gesellschaft verstanden werden, Inhalte die ihren Ursprung in der Vernach-lässigung der Jugendlichen, wachsende Gewalt in deren Umfeld und der sexuellen Reizüberflutung durch Film und Fernsehen haben. Dabei muss aber klar der kommerziell erfolgreiche „Gangster- und Pornorap“ ( der in letzter Zeit verstärkt von der Bundesprüfstelle für Jugend-gefährdende Medien beobachtet wird http://www.bundespruefstelle.de/ ) von den Intentionen und Absichten der im Ursprung friedfertigen HipHop Kultur unterschieden werden.
Es gibt elementare Regeln die im HipHop zu beachten sind, ein paar Methoden zur Umsetzung der eigenen Kreativität und Vorstellung aber alles andere bestimmt jeder für sich selbst. HipHop ist ein eine Art zu Leben die man verstehen, internalisieren, und weitergeben muss, egal ob Rap, Graffiti oder Breakdance. Es sind Werte wie Respekt, Gemeinschaft, Freundschaft und ein gewaltfreies Miteinander die den ursprünglichen HipHop ausmachen: „Each One teach One“ – was ich weiß bring ich dir bei, im Gegenzug hilfst du mir auf meinem Weg.

HipHop History
HipHop ist Lebensinhalt, HipHop ist Freiheit. Man kann HipHop nicht kaufen oder HipHop anziehen. Man muss ihn leben und lieben: Man denkt, fühlt, atmet und spricht HipHop, es ist eine Grundhaltung die man nicht mal eben ablegen kann wenn man „gerade“ keine Lust darauf hat.
Daher sollte man Jugendliche die sich damit beschäftigen Ernst nehmen und HipHop nicht als einen Modetrend abtun, der die Jugendlichen viel zu Große Hosen, schiefe Kappen tragen und ununterbrochen fluchen lässt.
Es ist wohl auch der Reiz des leicht erlernbaren denn Rap erlaubt den Jugendlichen nach kurzer Lernphase in ihren Texten eine eigene Identität zu formulieren, in der sie bestimmen können wie es abläuft und die sie selbst nach eigenen Vorstellungen gestalten können. Und gerade deswegen finden sich in der Rap Musik auch explizite Darstellungen der Lebensumstände Jugendlicher wieder, mit aller Härte und Unverfälschtheit der gängigen Sprache.
Das gegenseitige Verständnis zwischen Erwachsenen und Jugendlichen muss gefördert werden, ein Verbot hingegen würde keinen Erfolg bringen.
Auf der Seite der Bundesprüfstelle kann man folgenden Auszug zu diesem Thema lesen:
„Ein Verbot für ein Kind, in einem Spektrum vieler Musikvorlieben bestimmte Hip-Hop-Musikstücke zu hören, mag relativ leicht durchsetzbar sein. Für die Mehrzahl der Jugendlichen sind aber mit der Vorliebe für Hip-Hop-Musik auch der Freundeskreis, ihr Freizeitverhalten sowie Kleidung und Accessoires verbunden. Daraus wird deutlich, dass wie immer im Erziehungsprozess viele sensible Aspekte gleichzeitig zu beachten sind und man behutsam vorgehen muss. Letztlich sind nur die Eltern in der Lage, die für ihr Kind passenden Entscheidungen zwischen Verständnis und Vertrauen zu treffen, aber auch Grenzen zu setzen.
Dies setzt allerdings ihre Bereitschaft voraus, sich mit den Fassetten des Hip-Hop auseinander zu setzen, nicht nur mit den meistvermarkteten und teilweise jugendgefährdenden Formen, sondern auch mit den weniger bekannten, die Jugendlichen positive Impulse für ihre Entwicklung geben können. Die Frage müsste daher nicht lauten: Hip-Hop, Ja oder Nein, sondern eher: Welche Formen von Hip-Hop für Kinder und Jugendliche geeignet sind.“
(http://www.bundespruefstelle.de/bmfsfj/generator/bpjm/Jugendmedienschutz-Medienerziehung/lese-hoermedien,did=108288.html)
Bearbeitet von Anna und Karsten