Apr 21 2008
Writeboard.com: Windows-Editor im Multiplayer
Writeboard.com könnte wohl die Web 2.0-Anwendung für Journalisten-, Autoren- oder sonstige Schreiber-Teams sein. Aber so ziemlich jedes Textverarbeitungsprogramm macht es besser.
Writeboard ist einfach. Wenn man auf die Hauptseite geht, ist man nur noch drei Ausfüllfelder von seinem neuen, eigenen, kostenfreien “Writeboard” entfernt. Man gibt den Titel des Writeboards, das dazugehörige Passwort und die eigene Email-Adresse an und schon kann man an seinem eigenen Writeboard arbeiten…. Aber was ist überhaupt ein Writeboard?!
Ein Writeboard ist im Grunde eine einfache txt.-Datei, die man auch mit so ziemlich jedem Textprogramm der Welt, angefangen beim Windows-Editor, erstellen und bearbeiten könnte — nur, dass diese txt.-Datei im Internet liegt und deswegen von jedem Computer der Welt erreichbar ist, solange man das Passwort kennt.
Wenn man jetzt also gemeinsam einen Text erstellen möchte, kann man den Teammitgleidern eine Mail schicken, die die Url des Writeboards und das Passwort beinhaltet.
Jedes Mal, wenn jemand die txt-Datei editiert, gibt er seinen Namen an und in Zukunft können alle sehen, welche Änderungen vorgenommen wurden: Denn writeboard.com merkt sich auch alle vorherigen Versionen der Datei, zusammen mit dem Namen des Bearbeiters und dem Zeitpunkt. Auf Wunsch kann man zwei bestimmte Versionen auch vergleichen; dann werden Löschungen durch durchgestrichenen Text und Hinzufügungen durch grüne Hinterlegung gekennzeichnet. Den Text kann man auch jederzeit als txt.-Datei auf seinem Computer speichern. Mehr Features habe ich auf der überaus “schlanken” Webseite aber beim besten Willen nicht finden können.
Abgesehen von dieser Funktionsarmut sind meiner Meinung nach allerdings die geringen Formatierungsmöglichkeiten der größte Schwachpunkt der Anwendung, denn man kann nicht einmal die Schrift oder auch nur den Schriftgrad ändern. Deswegen ist es unwahrscheinlich, dass irgendeine professionelle Arbeit mit Writeboard getätigt wird: Man kann sein Ergebnis ja nicht einmal vernünftig aussehen lassen. Es sei denn natürlich, man kopiert am Schluss den Inhalt der txt-Datei in ein Textverarbeitungsprogramm und hübscht die Datei auf. Doch damit bin ich auch schon beim Hauptproblem: Warum nicht gleich mit Word oder ähnlichem arbeiten? Da kann man auch verschiedene Versionen anlegen, Änderungen vornehmen, kommentieren und die Datei per Email oder Server mit anderen teilen. Und sogar die Schriftgröße ändern…
P.S.: Wer es einmal ausprobieren möchte, kann auch einmal in mein Test-Writeboard reinschauen: http://123.writeboard.com/38347ebd44d74ac67/login, Passwort: bildung.
Ich wollte gerade sagen, dass mich dieser kollaborative Gedanke an 37signals erinnert, bzw. Campfire und Backpack/Basecamp (sind alles auf Gruppen ausgerichtete Chat- bzw. Kalenderdienste), da seh ich, dass Writeboard ja auch von denen ist.
Ich denke, Writeboard ist nicht als Textverarbeitung gedacht. Es geht mehr um interne Texte von Gruppen (zB kleine Firmen, die ein Marketingkonzept kollaborativ in dieser Textdatei entwerfen oder eine Seminargruppe, die hier zusammen die Inhalte eines Referates zusammenträgt). Zum Brainstormen in der Gruppe ist die Software wirklich gut geeignet und ich denke, es gibt da wirklich vielfältige Anwendungsmöglichkeiten. Ich werde mir die Seite auf jeden Fall merken und vielleicht bald einsetzen.
Interessant ist für Mac-Benutzer in dem Zusammenhang auch das Programm SubEthaEdit von den Coding Monkeys http://www.codingmonkeys.de/ . Es richtet sich zwar eher an Programmierer, hat aber bemerkenswerte Features.