Mrz 30 2012
Gewalt und Pornografie in Internet
Das Internet ist ein stetig wachsendes Medium, das alle Facetten dieser Welt zu bieten hat. Wirft man einen oberflächlichen Blick darüber erkennt man durchaus viele positive Dinge. Beispielsweise kann man alte Freunde in Social Networks finden, mit Verwandten per Webcam über die neuen Urlaubsbilder diskutieren oder im Online-Versandhaus shoppen. Aber man darf die fragwürdigen oder gar grausamen Elemente dieses Mediums nicht aus dem Blickwinkel verlieren.
Auf körperliche Gewalt trifft man längst nicht mehr nur auf den gefährlichen Straßen der Großstädte. Das Internet bietet eine Vielzahl an Websites, die einzig und allein auf “Foto- und Videosammlungen von verletzten, verunstalteten, toten und getöteten Menschen (…)” (Zitat der Website jugendschutz.net; URL:
http://www.jugendschutz.net/gewalt/index.html (21.10.2011)) ausgerichtet sind. Solche Bilder- und Videoansammlungen bieten den Kindern eine absolut verzerrte Darstellung der Wirklichkeit. Hier wird Gewalt als Mittel zum Ausdruck von Macht und Überlegenheit verwendet. Im schlimmsten Fall können sich solche Ideen in den Köpfen der Kinder festsetzen, sodass sie dann auch in der realen Welt gegenüber ihren Mitmenschen gewalttätig werden. Kindern und Jugendlichen sind diese Seiten leider ebenso zugänglich wie Erwachsenen.
Ähnlich verhält es sich mit der Pornografie. Auch hier können Jugendliche gemütlich auf Seiten spazieren, deren Videos sie in einer Videothek nicht einmal zu Gesicht bekommen würden. Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren ist der Zugang zu solchen Websites untersagt – es ist laut den Jugendschutzbestimmungen sogar unzulässig Pornografie überhaupt im Internet publik zu machen. Allerdings gibt es auch hier ein Schlupfloch. Ist nämlich sichergestellt, dass die Besucher der Internetseiten über 18 Jahre alt sind, so ist das Betreiben solcher Websites erlaubt. Schaut man nun aufe ine dieser Seiten, stellt man fest, wie einfach diese “Barriere” zu überwinden ist. Die Frage, ob man über 18 Jahre alt sei, an dieser Stelle mit Ja zu beantworten, ist keine Kunst der Computer-Überlistung. Einfach nur einen Knopf drücken und man ist drin. Und auch hier zeigt sich wieder die Verzerrung der Wirklichkeit darin, dass auf derartigen Pornoseiten den Kindern und Jugendlichen vollkommen abwegige Vorstellungen von Liebe und Partnerschaft aufgezeigt werden. Als erwachsener Konsument hat man dabei in der Regel die nötige Distanz und einen Überblick, der Kindern und gerade Jugendlichen (vor allem auch in der Pubertät als Phase der Orientierung) fehlt.
Dieser einfache Zugang zu derartigem Material stellt ein enormes Problem dar. Kinder bemerken gar nicht oder nur sehr spät die Gefahren, die von solchen Internetseiten ausgehen. Zwar gibt es, wie oben schon erwähnt, “Schutzmechanismen” seitens des Gesetzbegers in Form des Jugendschutzgesetzes – dieses ist aber längst nicht ausreichend.
Fazit: Eine gute Aufklärung der Kinder und vor allem auch der Eltern ist hier eine wichtige Grundlage, um Kinder zu schützen. So versucht beispielsweise die “Klicksafe”-Kampagne1der EU, auch und gerade über das viel konsumierte Medium Fernsehen für dieses Thema zu sensibilisieren. Wer kennt nicht den Kampagnenwerbespot “Wo ist Klaus?”, in dem fragwürdige Personen, mit eindeutigen Absichten, an der Haustür der Familie Vogel sich danach erkundigen, wo Klaus sei. Der Spot endet mit der indirekten Aufforderung: “Im wirklichen Leben würden Sie Ihre Kinder schützen. Dann machen Sie es doch auch im Internet.” Abschließend stellt sich die Frage: Sind derartige Mittel geeignete und ausreichende Präventionsmaßnahmen?
Klicksafe Kampagne
Das “Safer Internet Programm” startete 1999, um die sichere Nutzung moderner Kommunikationsmittel zu fördern und den Verbraucher vor unerwünschten, illegalen oder schlicht schädlichen Inhalten zu schützen. Neben der Aufklärungsarbeit in der Gesellschaft pflegt das Programm Klicksafe vielzählige Kontakte zu verschiedensten Einrichtungen. Auf diese Weise ist gewährleistet, dass die Kampagne weiterhin bestehen bleiben kann und es sie inzwischen in mehr als 25 europäischen Ländern gibt. Neben der Internetplattform zum Aufbau der Medienkompetenz und allgemeiner Sensibilisierung im Internet gehören zu dem “Safer Internet Programm” auch eine Hotline und eine Helpline, die wohl besser unter dem Slogan “Die Nummer gegen Kummer” bekannt ist. Die Helpline dient dabei nicht nur Kindern und Jugendlichen sondern auch Eltern und Lehrern als Beratungsstelle. Bei der Arbeit mit Jugendlichen setzt Klicksafe in erster Linie auf Ermunterung statt Belehrung, denn vorsätzlich gilt „Nur, wer sich selbst über Problematiken und Risiken des Internets bewusst ist und somit im Positiven über Medienkompetenz verfügt, versteht sich und andere zu schützen.“ (entnommen aus http://www.klicksafe.de/ueber-klicksafe/die-initiative/projektinfo/was-macht-klicksafe/ am 17.02.2012) Jugendliche und Kinder neigen einmal mehr dazu sich von diversen “Angeboten” im Internet verleiten zu lassen als Erwachsene. Fast jeder Jugendliche hat bereits in jungen Jahren einen freien und unkontrollierten Zugang zum Internet dies macht die Kontrolle seitens der Eltern natürlich umso schwieriger. Die Arbeit von Klicksafe beruht dabei auch auf der Öffentlichkeitsarbeit, d.h. das Bewusstsein der Öffentlichkeit soll auf die Probleme, welche mit der Internetnutzung einhergehen, gelenkt werden. Denn nur mit der Aufmerksamkeit der Gesellschaft kann eine Verbesserung erzielt werden. Der Apell geht also nicht nur an die Kinder und Jugendlichen selbst, sondern auch an die Eltern, Lehrer, Erzieher, Pädagogen und alle diejenigen, die mit ihrem täglichen Umgang mit den Jugendlichen diese im sicheren Umgang mit dem Internet sensibilisieren können. Zu den Themen auf die Klicksafe aufmerksam machen möchte gehören neben den gewaltverherrlichenden und pornographischen Medien auch rassistische, antisemitistische oder rechtsextremistische Inhalte, außerdem Pädosexualität, Sexismus und Verharmlosung von Drogenkonsum im Internet. Denn auch wenn die meisten diese Medien gesetzlich zugelassen sind, können sie in Kinderhänden zu Schäden in vielerlei Hinsicht führen, weshalb es sich Klicksafe zur Aufgabe gemacht hat die Gesellschaft für diese Themen zu sensibilisieren. Neben
zahlreichen TV-Spots ist Klicksaft auch auf verschiedenen Messen und Veranstaltungen wie z.B. der “didacta”, der “Games Convention” oder der IFA vertreten um dadurch möglichst viele Nutzer zu erreichen. Neben der gewonnenen Aufmerksamkeit bieten diese Veranstaltungen zusätzlich auch die Möglichkeit zur Verbreitung von Information, Materialen und Ansprechpartnern.
Letztlich bleibt in Bezug auf Schule die Frage, wie man dieses “Safer Internet Programm” in der Schule erfolgreich umsetzten kann. Aber auch hierfür hat Klicksafe eine Antwort, und zwar in Form von zahlreichen Informations- und Arbeitsbroschüren. Diese stehen alle kostenlos als Download auf der Homepage www.klicksafe.de/materialien/ zur Verfügung. Dort befinden sich unter anderem
Ratgeber für Lehrer, Eltern und für die Jugendlichen und Kinder selbst. Viele Broschüren bieten neben wertvollen Informationen und Tipps zu verschiedensten Themenbereichen rund ums Internet auch zahlreiche Ideen zur Umsetzung für konkrete Situationen in Schule und Alltag. Beispielsweise das Lehrerhandbuch “Knowhow für junge User” beinhaltet zahlreiche Materialien für den Unterricht im Zusammenhang mit Internetsicherung. Die zur Verfügung gestellten Arbeitsblätter sind unterteilt in drei Kategorien die sich an den Schwierigkeitsgraden für die verschiedenen Klassenstufe orientieren; 4.-6. Klasse =“einfach”, 7.-8. Klasse = “mittel” und schließlich 9.-10. Klasse = “schwer”. Durch ergänzende methodisch-didaktische Kommentare und weiteren Anregungen im Anschluss an die Arbeitsblätter wird hier auch die Möglichkeit zur Vertiefung und Weiterarbeit geleistet. Auch speziell das Thema der Jugendsexualität bzw. der Pornographie im Internet wird in einer Broschüre “Let´s talk about Porno!” thematisiert, wobei diese ebenfalls viele Arbeitsmaterialen für die Schule und Jugendarbeit bietet.
(S. Masch, C.Brinkmann, D.Polhout, J. Summe)