Ich bin SCHIZOPHREN und es geht mir allen gut

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Nachdem wir uns an einem wunderschönen Hardcover über die Durchschnittsfamilie laben durften, gibt es nun neues Lesematerial von Dirk Bernemann. Mit „Ich bin SCHIZOPHREN und es geht mir allen gut“ besinnt sich der Autor auf seine beiden ersten Werke zurück: Anstelle einer Geschichte in einem Buch, wieder viele Kurzgeschichten, Gedichte, Reiseberichte und Bilder auf 222 Seiten.

Nach einem kurzen Vorwort des Kreator Fronters Mille Petrozzas sind wir auch schon gefangen in der Welt Bernemanns, die eigentlich unsere eigene darstellt. Nur wollen wir das meistens nicht wahrhaben. Mit Neulichkeiten geht es los. Eine Kurzgeschichte über eine Menge Dinge die alle gleichzeitig auf der Welt passieren können. Ob im Büro, beim Rasieren oder auf Extasy, in jeder Situation gibt es Dinge, die wir wie einen Spiegel vorgehalten bekommen:

Neulich im Krankenhaus, auf der Intensivstation:
piiiiiiiiiiiiiiiiiiiep

Weiter geht es mit der Betrachtung eines billigen Pizzahauses. Später geht es um Rockfestivals, die Frage, ob Nazis eigentlich auch Menschen sind, kaputte Gefühle, eine Sauferei mit Gott, Zugfahrten, fette religiös-fanatische Frauen auf christlichen Rock-Festivals, Studentenpartys, Tage, die man in Unterhosen verbringt, Buchlesungen und noch einige weitere Themen. Es wäre schwer, all diese Geschichten hier darzustellen, aber alle sind auf ihre eigene Art und Weise besonders und flehen danach, verschlungen zu werden.

Die Kurzgeschichten folgen keinem bestimmten Schema und knüpfen nicht wie in „Ich habe die Unschuld kotzen sehen“ 1 + 2 durch die Protagonisten aneinander an. Einzig die Person des Betrachters bleibt (fast) immer die gleiche.

Ungefähr in der Mitte spaltet sich das Buch. Die Trennlinie besteht aus einer Reihe Gedichten. Sie wirken aber anders als in „Ich habe die Unschuld kotzen sehen“ nicht wie ein Lückenfüller, sondern sind wirklich schön zu lesen und regen zum Nachdenken an. Die Texte nach diesen Gedichten wirken mehr wie Reiseberichte und sind bedeutend entspannter zu lesen. Der Verzicht auf Rumgekotze und Rumgehure machen Bernemanns Geschichten auch endlich tauglich, um sie den lieben Großeltern vorzulesen, wenn sie einen fragen, in welchem Buch man denn schon wieder versunken sei.

Sprachlich bleibt Bernemann seinem Stil treu. Die häufige Verwendung von kurzen, abgehackten Sätzen, die oft aus drei oder weniger Wörtern bestehen, befördern den Leser schneller als ihm lieb ist auf die andere Seite des Buches. Hinzu kommen fantastische Wortkombinationen und umgangssprachliche Highlights, die einem geradezu verbieten, das Buch wegzulegen.

Einzig und allein die Fotos stören an einigen Stellen, wo sie das Geschriebene nicht wirklich unterstützen. In den Reiseberichten zum Schluss, sind aber auch die Fotos gut platziert und teilweise sehr kurios (eine am Zug klebende Taube).

Ein grandioses Buch, das jedem, der es gerne etwas gesellschaftskritisch und kaputt hat, ans Herz zu legen ist. Dirk Bernemann hat wieder mal ein fesselndes Werk geschaffen, das nur darauf wartet, von euch verschlungen zu werden. 10 von 10 Punkten auf der Ich-lese-ein-Buch-an-einem-Tag-weil-es-so-verdammt-VERDAMMT-gut-ist-Skala!

Bernemann, Dirk (14.02.2009): Ich bin SCHIZOPHREN und es geht mir allen gut. UBooks

David Frechen

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