podcast-university

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Malte Mertz von der Uni Hamburg erhebt “Under Construction” zum Credo der modernen Universität. “Under Construction” heißt: Die Hochschullehre in beständigem Wandel.

Eine über mehrere Semester laufende Ringvorlesung “Medien & Bildung” wurde mit einer Online-Oberfläche versehen, die eine nichtlinearen Zugang zu den Inhalten bietet. Nicht die chronologische Sortierung, wie in klassischen Blogs, sondern eine Tagcloud strukturiert das Material immer neu. Darin: Texte, Audio- und Video-Aufzeichnungen, alles kommentierbar. Aus der Vorlesung wird damit auch eine sich ständig erweiternde Online-Publikation. Print-On-Demand ist ebenfalls angedacht. Im Gegensatz zu klassischen Publikationen werden nicht nur Endergebnisse veröffentlich, sondern auch Zwischenschritte im Sinne einer “öffentlichen Wissenschaft”. Generell: Durch die neuen Formate liegt die Veröffentlichung zeitlich wie inhaltlich näher am einzelnen Gedanken.

Die Form fordert Eigeninitative und Interesse, fördert aber dafür individuelle Möglichkeiten des Lernens.

In der Diskussion wird die Organisationsform der aufzeichnungen hinterfragt: Sind studentische Hilfskräfte für die Aufzeichnungen wirklich nachhaltig? Sollte man mehr in feste technische Ausstattung bzw. Qualifizierung von Lehrenden investieren? Abschließende Antworten sind hier aber nicht zu finden.

Christian Hoppe und Stefan Buch von der Uni Frankfurt stellen den “Bildungstalk” vor. Das Projekt produziert einen studentischen Podcast rund um das Thema “Bildung” und gibt hauptsächlich über Interviews Einblick in pädagogische Praxis- und Forschungsfelder.

Wie es sich für einen erziehungswissenschaftlichen Vortrag gehört, wird zunächst der Begriff  “Podcast” kritisch beleuchtet: Hier handelt es sich technisch um klassische Podcasts, also reine Audio-Produktionen. Gestartet im September 2007 wurden bislang 22 Episoden von einem Team aus 8 Studierenden veröffentlicht. Sie gehören zu einer studentischen E-Learning-AG, die außerhalb des regulären Studiums betreut verschiedene E-Learning-Themen bearbeitet. Die Produktion gliedert sich in Präsenz- und Onlinephasen, in denen Konzeption, Texterstellung, Interviewaufnahmen, Moderation und Endproduktion durchgeführt werden. Schließlich werden die fertigen Episoden über eine Wordpress-Installation veröffentlicht.

Welche Anreize, welchen Mehrwert gibt es für die Teilnehmer? Sie erhalten Einblick in erziehungswissenschaftliche Praxisfelder, können evtl. bereits wichtige Kontakte in die Praxis künpfen und stärken ihre Medienkompetenz. Das Projekt Bildungstalk dient auch dazu, ergänzende Selbststudieninhalte zu erstellen. Die Reihe “Auswärtsspiel” z.B. bereitet auf das Pflichtpraktikum vor. Folgen zu Themen wie Second Life, Traumpädagogik oder Bildungsberatung ergänzen das reguläre Studium.

Diskussion:

Es werden verschiedene Möglichkeiten diskutiert, exaktere Abrufstatistiken als bloße Zahlen zu generieren. Google Analytics wird aus rechtlichen Gründen für kritisch gehalten.

Gibt es ein Uni-Radio in Frankfurt? Nein, gibt es nicht. Der Bildungstalk ist Vorreiter.

Link zum Projekt:

Live zugeschaltet aus Amerika: Grit Matthias von der Cornell-University Ithaca (NY), die im letzten Jahr schon einen begeisternden Vortrag beigesteuert hat. Unterstützt wird sie vor Ort von Jörg Waitelonis von der Uni Jena. Sie berichten über die Verbesserung der Qualität von Seminaren mittels Podcasts.

Grundproblem: In Seminaren ist zu wenig Zeit für eine eigentlich nowendige Diskussion über die von Studierenden gehaltenen Referate. Lösung: Bereits vor der Seminarsitzung produzieren die Studierenden ihre Präsentation als Enhanced Podcast, die Komillitonen kennen zu Beginn der Sitzung die Präsentation bereits und es verbleiben volle 90 Minuten für die Diskussion.

Die technische Plattform, die dafür verwendet wird ist yovisto (ehemals bekannt unter den Namen Osotis), eine akademische Video-Suchmaschine und eine Web-2.0-Plattform für Studenten und Dozenten. Die Plattform erlaubt es, Videos als ganzes bzw. einzelne Positionen zu taggen und mit Diksussionen zu versehen. Damit entfällt die Notwendigkeit, sich immer ganze 90-Minuten-Aufzeichnungen anschauen zu müssen, wenn nur bestimmte Informationen gesucht werden. Außerdem bietet ein Wiki Raum für frei gestaltete Zusatzinformationen.

Didaktischer Mehrwert: Diskussionen werden zielgerichteter, die Ergebnisse können für ein ePortfolio verwendet werden, Motivation und Medienkompetenz werden gesteigert.

Diskussion:

Wie wird die Relevanz des Suchwortes festgestellt, d.h. wie wird entschieden, welches Video in der Trefferliste oben erscheint? Die Folien werden analysiert, prominent erscheinende Wörter werden höher bewertet, außerdem werden die von mir selbst getaggten Videos bevorzugt berücksichtigt.

Gibt es eine Redaktion, die die Inhalte bewertet? Wie wird verhindert, dass das ein zweites YouTube wird? Ja, alles wird überprüft. Derzeit ist der Aufwand dazu noch überschaubar.

Gibt es abgeschlossene Bereiche? Im Moment noch nicht, Gruppenfunktionen stehen aber im nächsten Semester zur Verfügung.

Wie gewährleistet man, dass Studierende, die die Präsentationen vorproduzieren sollen, die gleichen technischen Voraussetzungen haben? Wie schafft man einheitliche technische Standards? Das sollte im Multimedia-Zentrum der Hochschule gewährleistet werden. Allzu hoch ist der Aufwand aber nicht, auch ohne spezielles Studio lässt sich gute Qualität erzielen.

Ein Teilnehmer warnt: Ist in letzter Zeit  nicht die Neigung zu beobachten, dass eher die technische Gestaltung als der Inhalt bewertet wird?

Mit inzwischen einer halben Stunde Verzögerung treten Tim Schmidt und Verena Barbosa Duarte von der Uni Osnabrück aufs Podium, um über die Entwicklung einer medienspezifischen Podcast-Didaktik zu berichten. Sie gehen von den Diskussionen der letzten Podcast-Tagung aus und überlegen, wie die didaktischen Potenziale der Technologie besser ausgenutzt werden können.

Schmidt und Duarte unterscheiden begrifflich “Podcasts” als technische Distributionsform und “Podcasting” als sozialen und kommunikativen Prozess. Infrastruktur in Osnabrück bietet das Zentrum für Informationsmanagement und virtuelle Lehre mit technischer und didaktischer Unterstützung sowie einem Studio für profesionelle Audio- und Videoproduktion. Die Uniblogs-Blogfarm und das Portal Lernfunk bilden den technischen Rahmen.

E-Learning-Podcasts unterscheiden Schmidt und Duarte nach Dozenten- und Studierendenpodcasts und liefern Beispiele.

Im Dozentenpodcast “Mr. Bergs, I have a question” werden häufige Fragen Studierender in Vorlesungen und Sprechstunden nach kurzen, griffigen Definitionen beantwortet – 40 kurze Episoden sind so entstanden. Die Nutzung der Kommentarfunktion ist aber noch förderungsbedürftig. Ein zweiter Dozentenpodcast für ein Filmbildungsseminar gibt zusätzlichen Input für das Seminar und die einzelnen Episoden dienen als Beispiele für die von den Studierenden zu erbringenden Leistungen. Bislang wurde der Podcast begleitend für ein einzelnes Präsenzseminar eingesetzt, im nächsten Semester wird er an verschiedenen niedersächsischen Hochschulen in Blended-Learning-Konzepten eine noch größere Rolle spielen.

Ein Beispiel für Studierendenpodcasts werden aus dem Fach Anglistik Beispiele angeführt, die als optionale Prüfungsleistungen dienen, die Sprachkompetenz verbessern und außerdem einen Pool für das Fach Linguistik aufbauen sollen. Die Reaktionen der Studierenden waren nach anfänglichen Bedenken sehr positiv. Sie schätzen besonders, lebendigere Darstellungsformen ausprobieren zu können. Um Studierende bei der Podcast-Erarbeitungzu unterstützen, bekommen sie am Anfang des Semesters einen strukturierenden Arbeitsplan ausgehändigt.

In den Erziehungswissenschaften werden Studierende im bereits erwähnten Filmbildungsseminars ermuntet, in einem jeweils eigenen Blog das Semester über Fragestellungen zu behandeln und in einem abschließenden Podcast zusammenzufassen. Die Form ist dabei freigelassen und der Podcast wird im Umfang eines Leistungspunktes als Prüfungsleistung anerkannt. Auch dieses Szenario wird auf mehrere Hochschulen in Niedersachsen ausgeweitet.

Geplant ist für die kommenden beiden Semester ein interkultureller Austausch zwischen deutschen und US-amerikanischen Studierenden. Ergebnis werden Podcasts sein, die von binationalen Gruppen interaktiv vorbereitet und gemeinsam erstellt wurden.

Die “Schlüsselkompetenz Podcasting” betrachten Schmidt und Duarte in Rahmen einer produktionsortientierten Mediendidaktik. Technische Kompetenzen stehen neben Anforderungen, Themen für das Medium angemessen aufzubereiten.

Als Fazit fordern die Vortragenden, Podcasts immer vor dem Hintergrund eines didaktischen Szenarios zu entwickeln, d.h. neue Formen zu erfinden, kommunikative Potenziale des Mediums auszuschöpfen und über den lokalen Kontext hinauszudenken.

Die Diskussion fragt nach Distributionsformen bei iTunes. Karsten Morisse kann berichten, dass iTunesU ab dem nächsten Jahr auch in Deutschland verfügbar sein wird. Dann ruft die Mittagspause.

Britta Schwieters und Paul John von Universität Bielefeld berichten über ein seminarbegleitendes Weblog mit Podcast-Funktionalität in Veranstaltungen zur Vermittlung von Medienkompetenz im ServiceCenter Medien. Ziel ist es dort, mit Studierenden zusammen ein Hörbuch aus selbstgeschriebenen Geschichten zu produzieren.

Lerninhalte des Seminars sind kreatives Schreiben, Stimm- und Hörschulung sowie Technikeinführung für Lehramtsstudierende. Ein eindrucksvolles Beispiel führt die Arbeit einer Studentin vor, die einen selbstgetexten Text selbst eingesprochen und mit selbst eingespielter Klaviermusik unterlegt hat. Der Arbeitsaufwand für Studierende wie Dozent und Tutoren ist relativ hoch. Das Verhältnis zwischen Aufwand und Lernertrag wird dennoch durchgehend als angemessen bezeichnet.

Insgesamt erscheint das Seminar besonders ideal für den Podcasteinsatz und das Blogsystem als besonders geeignet für die angestrebte Lernform. Auch Halbfertiges wird schon zugänglich gemacht, kommentiert und zeitlich flexibel über die Seminargrenzen hinaus nutzbar. Großer Vorteil ist eine hohe Öffentlichkeitswirkung, die auch für die Studierenden hohe Motivation erzeugt – z.B. als Präsentation der eigenen Arbeit für Eltern und Freunde.

Der Betreuungsaufwand für das Hörbuchteam ist nicht zu vernachlässigen: Neben einer wöchentlichen Sprechstunde wird das Endprodukt noch professionell nachbearbeitet und in einem Wordpress-System mit Podcast-Plugin veröffentlicht. Kommentare müssen freigeschaltet und rechtliche Fragen der Veröffentlichung beachtet werden. Schließlich wird eine Audio-CD erstellt, die professionell gestaltet den Studierenden ausgehändigt wird.

Die Rückmeldungen sind sehr positiv: Das Projekt wird öffentlich wahrgenommen, die Studierenden eignen sich Kompetenzen an, die sie später im Schulalltag praktisch nutzen können. Die Evaluationsergebnisse zeigen, dass knapp 60% der Teilnehmer ihre Fähigkeit zum selbstständigen Arbeiten besonders gefördert und ca. 55% ihr Interesse am Studium insgesamt gesteigert sehen.

In der Diskussion wird nach der Finanzierung gefragt: Werden für das Vorhaben Tutorenmittel gesondert zur Verfügung gestellt? Da die dafür eingesetzten Studierenden bereits über erhebliche Vorkenntnisse verfügen, seien die notwendigen Mittel relativ gering, führt Herr John aus.

Problemen mit der Online-Sichtbarkeit wird durch eine schriftliche Einverständniserklärung entgegengewirkt, außerdem wünschen Studierende sehr stark, das professionelle Endprodukt auch zu veröffentlichen. Auf Wunsch werden die Einträge später wieder entfernt.

Ein Teilnehmer blickt neidvoll auf die starke Beteiligung im Blog. Gibt es dafür besondere Rezepte? Auch in Bielefeld sei der Anlauf lang und schleppend gewesen, führen die Vortragenden aus.  Geringe Beteiligung in öffentlichen Diskussionen wird von weiteren Teilnehmern bestätigt.

Beispiele:

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