Podcasts aus dem Hörsaal: Rapid eLearning im Medizinstudium an der Charité – Universitätsmedizin Berlin

Joachim Plener, Charité – Universitätsmedizin Berlin

Das Medizinstudium an der Charité – Universitätsmedizin Berlin ist gekennzeichnet durch weite Wege und eine teilweise starke Fokussierung auf das Lehrformat „Vorlesung“. In Semestern mit einer hohen Prüfungs-Belastung der Studierenden sinken die Präsenzzahlen bei den Vorlesungen im Laufe des Semesters erheblich ab.

Durch eLearning im Allgemeinen soll den Studierenden der Charité ein orts- und zeitunabhängiger Zugang zu Lernmaterialien gegeben werden – durch Podcasts im Speziellen sollen Vorlesungen in digitaler Form verfügbar gemacht werden.

Der Arbeitsbereich eLearning hat verschiedene Maßnahmen eingeleitet, damit die einzelnen Kliniken – möglichst in Eigenregie – ihre Vorlesungen aufzeichnen und als Podcasts publizieren können: Anstelle einzelne Hörsäle mit teurer Aufzeichnungs-Technik zu versehen, wurde einer flexiblen und mobilen Lösung der Vorzug gegeben. Es wurden 3 Laptops und 3 Funkmikrofon-Anlagen angeschafft, die Rechner wurden mit Software zur Podcast-Produktion ausgestattet. Laptops und Mikros – verpackt in einer praktischen Tasche und versehen mit Kurzanleitungen – können von Interessierten beim Arbeitsbereich eLearning ausgeliehen werden. Mit der Software Camtasia Studio ist es möglich, Vorlesungen quasi „live“ mit Bild und Ton direkt aus Powerpoint heraus mitzuschneiden. Die Integration in Powerpoint senkt die Hemmschwelle für die Vortragenden – sie präsentieren einfach wie bisher. Vordefinierte, Charité-spezifische Produktionsprofile auf den Rechnern ermöglichen eine vereinfachte und standardisierte Nachbearbeitung bzw. Veröffentlichung. Schon am nächsten Tag kann der Vortrag im Netz stehen.

Auch die Produktion separat eingesprochener Vorträge wird vom Arbeitsbereich eLearning unterstützt. Eingearbeitete Tutoren besuchen die Dozenten vor Ort, begleiten die Aufnahme und übernehmen auf Wunsch die Publikation der Podcasts.
Mittlerweile bevorzugen wir – sofern möglich und gewünscht – diese Art der Produktion, denn die so erzeugten Podcasts entsprechen eher den technischen und didaktischen Anforderungen für Podcasts. Auch das Feedback der Studenten bestärkt uns darin, eine starke thematische Fokussierung, eine Länge von 20 bis (maximal!) 40 Minuten, die Aufteilung in einzelne Episoden und eine hörfunkähnliche Ansprache des Hörers anzustreben. Ebenfalls auf das Feedback von Studierenden hin, werden reine Audio-Podcasts für die Lehre kaum eingesetzt, es ist jedoch eine Interview-Reihe mit Forschern der Charité geplant, in der diese zu ihren aktuellen Forschungsprojekten befragt werden sollen.
Seit einigen Monaten sind wir dabei, das Aufzeichnungsverfahren auf Veranstaltungen zur ärztlichen Fort- und Weiterbildung auszuweiten: Viele Kliniken der Charité – Universitätsmedizin Berlin organisieren intern Vortragsreihen und Fallpräsentationen, die – einmal aufgezeichnet und über ein Podcast Portal veröffentlicht – einem breiteren Publikum zur Verfügung gestellt werden können. Besonders zu beachten sind hierbei der Persönlichkeits- bzw. der Patientenschutz sowie Fragen des Copyrights – Gründe weshalb an der Charité oftmals nur der Feed des Podcasts frei verfügbar ist, für den Download der einzelnen Episodes dagegen ein Passwort erforderlich ist, oder ein Login in die Lernplattform erfolgen muss.

Als weitere Maßnahme zur Etablierung von Podcasting an unserer Fakultät führe ich einmal im Monat Workshops zur Podcast-Produktion durch. Ziel all dieser Initiativen ist es, Podcasting möglichst nachhaltig in Fakultät und Forschung der Charité – Universitätsmedizin Berlin zu integrieren und immer mehr zum Selbstläufer zu machen.

Tags: ,