Posts Tagged “Bildung”

rashomon.jpgIm Seminar “Kino als Kunst” haben wir in der vergangenen Woche einen Text von Winfried Marotzki gelesen. Der Titel des Textes, Über das schwierige Finden der verlorenen Zeit. Biographisierungsprozesse im Film aus bildungstheoretischer Perspektive, macht schon deutlich, dass ein vielschichtiges, komplexes Thema behandelt wird, nämlich die biographische Arbeit. Marotzki nennt in diesem Zusammenhang auch die Begriffe Erinnerungsarbeit (Die sich zu sehr großen Teilen mit biographischer Arbeit deckt.) und Trauerarbeit (Hier zitiert Marotzki Ricoeur, der im Erinnern immer auch die Verarbeitung eines Verlustes, also Trauerarbeit sieht). Der zentrale Aspekt des bildungstheoretischen Bezuges ist wieder das Selbst- und Weltverhältnis, das sich durch die biographische Arbeit verändern kann. Marotzki stellt zum Ende des Textes (S. 195) die Frage: “Ist es [...] gelungen, durch die Bearbeitung [der eigenen] Biographie zu erreichen, dass die Vergangenheit nicht mehr die Gegenwart verfolgt, so dass Zukunftsentwürfe nicht behindert werden?” Dazu müssen die Erinnerungen geordnet werden, so dass sich ein Zusammenhang ergibt, “der die eigene Biographie darstellt” (S. 196) und als nicht veränderbar akzeptiert werden kann. (weiterlesen…)

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Der MönchNachdem im letzten Teil einige Bildungsproblematiken des Films Rashomon im Hinblick auf die Bildungstheorie von Rainer Kokemohr untersucht wurden, soll nun versucht werden das Erleben eines der Protagonisten des Films auf dem Hintergrund der Humboldtschen Bildungstheorie, zu überprüfen. Dies soll anhand der Figur des Mönches geschehen.

Zuerst soll ein Blick auf die Definition des Bildungsbegriffs bei Humboldt geworfen werden, dieser sagt in seinem Werk „Ideen zu einem Versuch, die Grenzen der Wirksamkeit des Staats zu bestimmen“: „Der wahre Zweck des Menschen – nicht der, welchen die wechselnde Neigung, sondern welchen die ewig unveränderliche Vernunft ihm vorschreibt – ist die höchste und proportionierlichste Bildung seiner Kräfte zu einem Ganzen.“ Eine Grundbedingung hierfür ist die Freiheit, aber auch eine andere wichtige Bedingung wird von ihm genannt, „die Mannigfaltigkeit der Situationen“. D.h. das der Mensch sich nur in unterschiedlichen Situationen Humboldts Theorie entsprechend weiterentwickeln kann, bei stets gleich bleibenden Anforderungen bzw. Situationen wird selbst der freieste Mensch in seiner Entwicklung zu einem Ganzen stagnieren. Außerdem muss diese Entwicklung nach Humboldt in einem „In-Beziehung-Setzen“ des Ichs, durch Entwurf, Erfahrung und Reflexion, mit der Welt geschehen. Sehr kurz gefasst kann man es so beschreiben, das Ich vollzieht eine Denktätigkeit die sich dann aber auch in einer Welttätigkeit, also einer Handlung, Aussage usw. in der Welt zeigt. Dies bringt jedoch auch eine Reaktion der Welt hervor, die wiederum Einfluss auf die Denktätigkeit des Ichs hat, so dass Ich und Welt sich in ständiger Interaktion weiterentwickeln.
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