startrekposter.jpgEigentlich wollte ich nur nachsehen, wann am Wochenende der neue Star Trek Film läuft. Auf der Website des Kinos prangte dann jedoch ein großes “Heute um 20:00 Uhr: Star Trek.” Also schnell Geld und Schlüssel geschnappt, fast die Jacke vergessen und schnell zum Kino. War ja schon halb acht und da würde doch sicher ein großer Ansturm sein. Falsch gedacht. Zehn Leute waren ungefähr da, ziemlich bitter. Mich beschlich dann auch immer wieder das Gefühl in den falschen Saal gegangen zu sein, das sollte doch einer DER Kinostarts des Frühjahrs werden. Während der Trailer, unter anderem “Beverly Hills Chihuahua” (furchtbar, einfach nur ganz furchtbar) und “Hanna Montana” (für die weibliche Teenies Zielgruppe wohl ganz nett), wurde ich dann immer unsicherer, doch die Reaktion der anderen Kinogäste (zwischen Unglauben, Entsetzen und Belustigung) zeigte recht deutlich dass auch sie sich nicht sonderlich angesprochen fühlten. Als dann das Paramount Logo über die Leinwand flimmerte, war ich trotzdem erleichtert. Jetzt sollte also wirklich der neue Star Trek Film beginnen.

Ich werde hier nicht spoilern, der Film hat einige Überraschungen parat und gerade gestandene Trekkies werden bei einigen Szenen mit offenen Mündern da sitzen. Was kann ich also über diesen Film sagen, ohne zu viel zu verraten?

Ganz einfach: Star Trek ist ein großartiger Film. Wie es bei The Onion so schön heißt: Der Film macht einfach Spaß. Und das sollte keinen Trekkie aufhalten diesen Film genauso zu lieben wie die alten. Ja, es wird alles auf den Kopf gestellt. Ja, praktisch alles (bis auf Enterprise, die 5. Serie) wird irrelevant bzw. spielt für das “neue” Star Trek keine Rolle mehr. Ja, dem Film fehlt einiges, was Star Trek ausgezeichnet hat (wie Roger Ebert sehr richtig bemerkt). Aber auch ja, Star Trek ist jetzt im 21. Jahrhundert angekommen. Dieser Film kann es mit jedem Blockbuster der letzten Zeit locker aufnehmen und steckt die meisten wohl sogar in die Tasche. Die Story ist knackig und bietet doch viele Tiefen. Die Action ist grandios, die Effekte nahezu perfekt. Praktisch alle Schauspieler hauchen den “alten” Charakteren neues Leben ein und sind doch vertraut. Alles in allem fühlte sich der Film wie der Höhepunkt einer grandiosen Star Trek Folge an.

Als ich vor einigen Monaten den ersten Teaser wieder und wieder abspielte, war ich schon begeistert. Dieses Raumschiff, diese “down and dirty” Szenen der Schweißer in der Werft, alles schien genau, wie ich es mir von einem neuen Star Trek Film gewünscht hatte. Dann kam der Trailer. Man kann doch aus Star Trek keinen bumm-bumm null acht fünfzehn Actionfilm machen, so schrie nicht nur mein Trekkie-Herz, so schallte es auch aus den meisten Trekkie Foren. Während ich gestern im Kino saß, erkannte ich während der ersten Hälfte praktisch alle Szenen aus dem Trailer, doch der Kontext war so anders, als ich es erwartet hatte. Alles machte Sinn, war eingebettet in vernünftige Dialoge und nicht die Action, sondern die Story trieb den Film vorwärts. Also praktisch das Gegenteil von dem, was der Trailer versprochen hatte. Sicher, es gab auch grandiose Action, aber nicht umsonst ist First Contact einer der beliebtesten Star Trek Filme. Das der Film nicht so schlimm wie erwartet werden würde, wusste ich allerdings schon vorher, denn ich hatte in weiser Voraussicht den Comic zum Film vorher gelesen.

“Star Trek Countdown” ist das direkte Prequel zu “Star Trek” und fügt den Film nahtlos in das Star Trek Universum ein. Ein jedem Trekkie sei gesagt: Lies diesen Comic! Lies ihn bevor du ins Kino gehst. Während der Film sich wie das Finale einer Star Trek Folge anfühlt, ist der Comic halt der erste Akt. Dort stecken die moralischen Dilemma, hier wird der Tiefgang erst wirklich deutlich und vor allem zeigt erst der Comic, dass Star Trek zwar ein Reboot ist, aber damit nicht einfach alles wegschmeißt. Weil ich auch den Comic gebührend behandeln will, schließlich halte ich ihn für die eine Hälfte des neuen Star Trek, habe ich ein kleines Video-Review aufgenommen:

You need to a flashplayer enabled browser to view this YouTube video

Das ist es also. Das neue Star Trek. Als ich aus dem Kino ging, war ich mir noch nicht ganz sicher, was ich darüber denken soll, doch jetzt weiß ich es. Mein Zögern, diese neue Richtung zu akzeptieren, begründet sich vor allem darin, dass der Film erst so wenig zeigt. Es ist erst der Anfang, es geht wieder los und zwar wieder so richtig. Und ich will mehr. So schnell wie möglich. Ob das neue Star Trek dann hält, was es verspricht und auch weiterhin dem Star Trek Gedanken gerecht wird, kann sich erst dann zeigen. Ich bin aber mehr als nur optimistisch, ich bin begeistert gespannt. Wenn es etwas gibt, dass dieses von mir so geliebte Franchise retten und wieder relevant machen kann, dann genau dieser Film. Schaut ihn euch an, ob ihr Star Trek bisher mochtet oder nicht. Denn auch wenn dieser Film auf einem ausgetretenen Fußweg ansetzt, biegt er sofort ab und schlägt sich seinen eigenen Trampelpfad ins Dickicht.

Hinterlassen Sie einen Kommentar