Gottesdienst Mai 2010

Von gelingender Kommunikation und Mitleidenschaft

Neues Semester, neuer Zeitpunkt, neuer Ort, neues Motto: Durch das Sommersemester wird das Thema Leidenschaft leiten. Aus unterschiedlichen Bereichen werden wieder Kanzelredner(innen) ihre wissenschaftlichen und persönlichen Gedanken zu diesem Thema präsentieren.

Der erste Ökumenische Hochschulgottesdienst im Sommersemester fand am Donnerstag, 20. Mai, um 19 Uhr in der Gymnasialkirche statt. Prof. Dr. Ulrich Kuhnke von der Fachhochschule Osnabrück, wo er an der Fakultät Sozial- und Wissenschaftswissenschaften in den Bereichen Praktische Theologie und Ethik forscht und lehrt, hielt die Kanzelrede. Er widmete sich der Fähigkeit zur Mitleidenschaft als Kern christlichen Handels. Am bekannten Gleichnis vom barmherzigen Samariter verdeutlichte Herr Kuhnke seine Gedanken über gelingende Kommunikation und compassion (engl. `Mitleidenschaft`) als Voraussetzungen, damit “aus den religiösen Tradidionen immer wieder  Impulse der Hoffnung” entstehen können. Basis eines Verständigungspro-zesses seien dabei gegenseitiger Respekt und der Wille zur Kommunikation. Über unterschiedliche (Glaubens-) Ansichten hinweg müsse eine Offenheit für die Wahrnehmung des Gegenübers mitgebracht werden, damit eine (interreligöse) Auseinandersetzung überhaupt stattfinden könne. Jesus bringe im Lukasevangelium genau diese Offenheit mit, was sich u.a. im Verlauf der Kommunikation zeige, in der es der jüdische Schriftgelehrte selbst ist, der schließlich die Antwort auf seine provozierende Frage an Jesus findet.  Das Doppelgebot der Liebe, welches durch das gemeinsame Verb die Gottes- mit der Nächstenliebe zusammenbringt, bilde eine Zusammenfassung der Thora, und zugleich den inhaltlichen Kern christlicher Ethik und werde vom jüdischen Schriftgelehrten selbst fomuliert. Der Samariter als mitleidensfähiger Mensch nimmt sich seines Nächsten an, ohne dass dessen Glaube für ihn ein Hindernis darstellt. Für Kuhnke ist hier die Perspektive des Leidenden entscheidend. Der Samariter lasse sich vom Notleidenden “berühren”, er lasse sich “im Innersten – bis in die Eingeweide – bewegt werden.” Die Leidempfindlichkeit des Samariters, seine Fähigkeit zur compassion, mache ihn zum Handelnden. Im Gegensatz dazu deutete Kuhnke die Rolle von Priester und Levit, die als Männer des religiösen Ritus eben nicht eingreifen. Sie nehmen den Notleidenden gar nicht wahr. Aber genau hier, an der Wahrnehmung entscheidet sich, laut Kuhnke, die Wahrheitsfrage, nämlich “an der Wahrnehmung der anderen in ihrem Leid.” So gelesen fordere das Gleichnis dazu auf, mit offenen Augen durch das Leben zu gehen und offen zu sein zur Wahrnehmung seiner Umwelt.
In allen großen Religionen finde sich eine Mytik des Leidens. Kuhnke machte dieses am Ende seiner Rede für das Christentum deutlich, in deren biblischer Tradition es um die Wahrnehmung des Leids der anderen geht. “In dieser Mystik der offenen Augen wurzelt die christliche Gottesrede, sie ist in ihrem Kern eine leidempfindliche und deshalb leidenschaftliche Gottesrede.”

Eingebettet war die Kanzelrede in einen stimmungsvollen liturgischen Rahmen, der von Susanne Wübker (KHG) und Christian Deuper (Institut für Evang. Theologie) unter Mithilfe von Studierenden gestaltet wurde. Unterstützt wurden sie von Hendrik Kuhn, der seinen Premiereneinsatz im Rahmen der Ökumenischen Hochschulgottesdienste an der Orgel hatte, sowie von einem Musikertrio des Fachbereichs Musik. Julia Behrend (Saxophon), Max Medenus (Klavier) und Hannes Neumann (Bass) bereicherten den Gottesdienst mit ihren Arrangements.

Nach dem gelungenen Auftrakt ins Sommersemester gehen die Ökumenischen Hochschulgottesdienste am 10. Juni mit einer Kanzelrede von Prof. Dr. Christian Wopp (Sportwissenschaften) weiter. Man darf gespannt sein, welche Gedanken zum Thema Leidenschaft Herr Wopp – einen Tag vor dem Beginn der Fußball-WM in Südafrika – mit der Gemeinde teilen wird.

Herzliche Einladung an alle Studierenden
und Mitarbeiter(innen)
der Osnabrücker Hochschulen
sowie an die interessierte Osnabrücker Öffentlichkeit!